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Fatma Sagir
Alphabet der Sehnsucht

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Fatma Sagir, Alphabet der Sehnsucht. Texte zum Vergessen, SchreibStimme 2021, 172 S.

60 Jahre Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei. Zeit, die Leben der Gastarbeiter zu erinnern. Dieses Buch würdigt sie und ihre Nachkommen, ihre Leistung im Aufbau von Nachkriegsdeutschland und den Preis, den sie dafür zahlten.

 

Fatma Sagirs lyrische Sprache saugt die Leser ein, als erlebte man das Geschilderte am eigenen Leibe. Als wirbelte man hindurch durch die Traumastrudel der türkisch-deutschen Migrationsgeschichte. Die Geschichte der Gastarbeiter hat im Diskurs um die deutsche Identität nicht nur am Rande, sondern mittendrin seinen Platz. Weil Erinnerung Anerkennung bedeutet.

© 2021 Fatma Sagir
Verlag: SchreibStimme. Kunath & Tóth, Uster

Umschlagbild: © Karin Czermak

Coverdesign und Innenlayout: Bright Lines Design, Zürich
Herstellung: BoD – Books on Demand, Norderstedt

ISBN: 978-3-9525558-0-4

Preis D: 16,90 EUR

Preis CH: 24,50 CHF

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Zur Autorin 

Fatma Sagir, geboren 1974 in Anatolien, aufgewachsen in Hannover als Tochter einer Gastarbeiterfamilie. Sie ist Autorin, Wissenschaftlerin und Übersetzerin in Freiburg im Breisgau.

Webseite: https://fatmasagir.com

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Presse

15.11.2021 Banu Pınar, Rezension: Zugehörigkeit, Sehnsucht und Heimat im Wirbel der Emotionen

Eine Buchbesprechung zu Fatma Sagirs "Alphabet der Sehnsucht", Maviblau Magazin https://www.maviblau.com/15/11/2021/zugehorigkeit-sehnsucht-und-heimat-im-wirbel-der-emotionen/?fbclid=IwAR3lJT45ZbLbn5DZ72DKq8Ba43ug5hQIefmVdT1XxX2QLhYcjOk2TI4RE1E 

27.10.2021 Hier wird Deutsch gesprochen. Vorabdruck Gedicht "Sprichst du mit mir?" Kontext: Wochenzeitung Ausg. 552: https://www.kontextwochenzeitung.de/kultur/552/hier-wird-deutsch-gesprochen-7797.html

26.10.2021 Interview mit Fatma Sagir in der BZ Badische Zeitung: https://www.badische-zeitung.de/die-freiburger-autorin-fatma-sagir-schreibt-ueber-ihre-erfahrungen-als-gastarbeiterkind--205905784.html

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Rezensionen

www.lovelybooks.de/autor/Fatma-Sagir/Alphabet-der-Sehnsucht-3554005807-w/

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Ein Interview mit Autorin Fatma Sagir

 

Ihr Buch erschien zum 60. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Was hat es mit diesem Tag auf sich und worin sehen Sie Ihren spezifischen Beitrag zu diesem Tag?

 

FS:

Der 60. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommen soll an den Beginn der Arbeitsmigration aus der Türkei in die BRD erinnern. Es ist ein Stück Nachkriegs-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Mein Beitrag ist mein Engagement dafür, dass man in der Erinnerungskultur Deutschlands nicht nur diesen Tag, sondern auch jenen Stichtag an alle anderen Anwerbeabkommen, wie etwa an das mit Italien 1955, erinnert. Besonders in rassistischen und rechtspopulistischen Narrativen spielen diese Menschen keine Rolle, aber auch in der sogenannten Mitte sind sie und ihre Leistung vergessen. Mit diesem Buch setze ich ein Denkmal gegen das Vergessen.

 

 

In diesem Buch geht es Ihnen um die Würdigung von Leben und Leistung der Gastarbeiter:innen aus der Türkei und ihrem Beitrag zum Aufbau von Nachkriegsdeutschland. Worin genau besteht diese Würdigung für Sie? Was wünschen Sie sich diesbezüglich für die Zukunft?

 

FS:
Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass Leistung in diesem Zusammenhang jenseits von ökonomischer Leistung zu verstehen ist. Es geht um den Beitrag dieser Menschen zur Kultur und Entwicklung der BRD; sei es zur Esskultur, Musik, Bekleidung und allen anderen Bereichen der Gesellschaft. Es geht darum, dass wir die schiere Kraft, die Stärke und den unbedingten Überlebenswillen und den Mut, zu bleiben und ein Leben aufzubauen, feiern. Dafür bedarf es, dass diese Menschen und ihre Nachfahren sichtbar werden und die nötige gesellschaftliche und politische Anerkennung erfahren.

 

 

In Ihrem Buch schildern Sie eindrücklich das frühe Leben und Empfinden der jungen, in einem ihr oft feindlich gesonnenen Land, heranwachsenden Fatma Sagir. Was hat sie bewogen, sich so persönlich zu zeigen?

 

FS:

Das Buch ist so entworfen, dass es einen autofiktionalen, fast dokumentarischen Charakter hat. Ich habe mich für diesen literarischen und künstlerischen Stil entschieden, da ich denke, dass es viele verschiedene Geschichten gibt und all diese Geschichten Raum im Kultur- und Literaturgeschehen haben müssen. Diese ist aus meiner persönlichen Perspektive.

 

 

Die lyrische Sprache in Ihrem Buch saugt einen beim Lesen nahezu ein. Auch hierin zeigen Sie sich unmittelbar. Weshalb haben Sie sich für diese Sprache entschieden?

 

FS:

Der lyrische Stil folgt dem Inhalt. Ich arbeite intuitiv und lasse mich von der Sprache führen.

 

Warum heißt Ihr Buch „Alphabet der Sehnsucht. Texte zum Vergessen“?

 

FS:
Der Titel spiegelt die Tatsache wider, dass für das Erlebte der ersten Einwanderergeneration in den Familien häufig die Sprache fehlt. In den Folgegenerationen gestaltet es sich ebenfalls schwierig. Als Autorin beginne ich also am Anfang. Da, wo das Alphabet ist und wo es ein Ausbuchstabieren bedarf. Außerdem hat mich der Schauspieler Tom Hanks inspiriert, der auf die Frage, wie er seine Kunst des Schauspielens angehe, antwortete, dass er ein Vokabular der Einsamkeit aus seiner bewegenden Kindheit mitbringe und daraus schöpfe.

Das „Texte zum Vergessen“ spielt auf die Doppeldeutigkeit des Wortes „Vergessen“ an.

 

 

Und nun abschließend: Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben?

 

FS:
Für jene, die vor uns kamen und jene, die nach uns kommen.“ Schreibe ich oft als Widmung in das Buch. Für unsere Eltern, für jene, deren Geschichten niemand schreibt und für unsere Nachkommen. Aber, wie alle Schriftsteller:innen dieser Welt, habe auch ich dieses Buch für mich geschrieben.

 

Vielen Dank für das Interview, liebe Frau Sagir!